Kurz gesagt
Alte Elektroverteilungen enthalten oft Asbest. Bei Schwenk-Tablos steckt festgebundener Asbest in der sichtbaren Frontplatte und schwachgebundener in der Holzverkleidung dahinter; bei festen Tablos ist die Trägerplatte selbst asbesthaltig. Festgebundener Asbest darf nicht bearbeitet werden (bohren, schleifen, sägen), schwachgebundener wird schon beim Öffnen freigesetzt. Verhalten: nicht öffnen, nicht bearbeiten, keine Erweiterungen am Tablo, Fachfirma beiziehen. Die Elektrokontrolle ist trotzdem möglich: Wir dokumentieren und messen ohne Eingriff. Der Ersatz ist eine Empfehlung, keine Pflicht.
Wer ein Haus aus den 1950er- bis 1980er-Jahren besitzt oder kauft, sollte diesen Beitrag lesen. Ich sehe solche Verteilungen bei Kontrollen regelmässig, und ich sehe auch, dass viele Eigentümerinnen und Eigentümer nicht wissen, was sie da an der Wand haben. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein Grund, richtig zu handeln.
Welche Typen von Asbest-Tablos gibt es?
Bis zum Asbestverbot in der Schweiz im Jahr 1990 wurden asbesthaltige Platten gern als Trägerplatten für Sicherungen, Schalter und Klemmen verwendet: nicht brennbar, formstabil, günstig. In der Praxis begegnen mir zwei Bauarten:
- Schwenk-Tablos (Typ A mit Holzrahmen, Typ B mit grauem Metallrahmen). Man löst die seitlichen Schrauben, das Tablo schwenkt nach vorne heraus, und dahinter liegt die Verdrahtung in einer Holzverkleidung. Die Frontplatte, auf der die Sicherungselemente montiert sind, enthält festgebundenen Asbest: Solange sie intakt bleibt, werden im Normalbetrieb keine Fasern frei; gefährlich wird es, sobald jemand bohrt, schleift, sägt oder die Platte bricht. In der Holzverkleidung dahinter steckt oft schwachgebundener Asbest, etwa als Asbestkarton (Pappe) oder Leichtbauplatte. Der wird schon beim Öffnen freigesetzt, ohne dass jemand bohrt. Das ist die grosse Gefahr, weil sie nicht sichtbar ist.
- Feste Asbest-Tablos. Kein Schwenk-Tablo, aber die Trägerplatte im Holzrahmen ist eine Asbestplatte. Auch hier gilt: nicht bearbeiten und keine Erweiterungen am Tablo. Zusätzliche Sicherungen oder ein FI kommen in eine neue Unterverteilung daneben.

Schwenk-Tablo, Typ A
Nicht bohren, nicht schleifen, nicht sägen. Keine Erweiterungen am Asbest-Tablo. Zusätzliche Sicherungen oder ein FI kommen in eine neue Unterverteilung daneben.

Schwenk-Tablo, Typ B
Nicht öffnen. Schon das Herausschwenken kann Fasern freisetzen.

Festes Asbest-Tablo
Nicht bearbeiten, keine Erweiterungen. Ergänzungen in eine Unterverteilung daneben; Sanierung empfohlen, nicht vorgeschrieben.
Woran erkenne ich, ob meine Verteilung Asbest enthält?
Hinweise sind das Baujahr des Hauses oder der letzten Elektro-Renovation (vor 1990), eine graue, harte, matt wirkende Trägerplatte, auf der die Sicherungen direkt sitzen, seitliche Schrauben oder Scharniere, die auf ein Schwenk-Tablo hindeuten, und eine Holzverkleidung um die Verteilung. Sicherheit gibt aber nur eine Materialprobe im Labor, veranlasst durch eine Fachstelle für Asbestdiagnostik. Meine Empfehlung: Bis das Gegenteil bewiesen ist, behandeln Sie eine solche Verteilung, als wäre sie asbesthaltig.
Wie verhalte ich mich richtig?
- Nicht öffnen. Weder das Schwenk-Tablo aufschrauben noch die Holzverkleidung entfernen.
- Nicht bearbeiten. Kein Bohren für einen zusätzlichen Schalter, kein Schleifen, kein Sägen, kein Nageln in die Platte. Auch nicht «nur kurz». Keine Erweiterungen am Asbest-Tablo: Zusätzliche Sicherungen oder ein FI kommen in eine neue Unterverteilung daneben.
- Niemanden daran arbeiten lassen, der es nicht weiss. Weisen Sie jeden Handwerker darauf hin, dass ein Asbestverdacht besteht.
- Fachfirma beiziehen. Eine Fachstelle für Asbestdiagnostik oder ein Elektroinstallateur mit Erfahrung im Umgang mit asbesthaltigen Verteilungen. Der Ersatz der Verteilung erfolgt mit Schutzausrüstung und fachgerechter Entsorgung. Dafür gelten die Bauarbeitenverordnung und die Regeln der Suva (suva.ch/asbest); Arbeiten mit erheblicher Faserfreisetzung dürfen nur Suva-anerkannte Asbestsanierungsunternehmen ausführen.
- Sicherungen wechseln ist in Ordnung. Das Ein- und Ausschrauben von Schmelzsicherungen im Normalbetrieb bearbeitet die Platte nicht.
Was macht das Kontrollorgan bei einem Asbest-Tablo?
Die periodische Elektrokontrolle ist auch bei einer asbestverdächtigen Verteilung möglich. Bei der Kontrolle öffne ich ein Schwenktablo nicht; es gibt immer alternative Wege, die Messungen durchzuführen. Ich erkläre der Eigentümerschaft, dass es sich um Asbest handelt, und empfehle die Sanierung. Ein Zwang besteht nicht. Oft fehlt bei diesen Tablos ein FI-Schutzschalter, teilweise ist noch Schema III verbaut; deshalb lohnt sich meist die Sanierung von Tablo und veralteter Installation zusammen. Werden Mängel festgestellt, steht im Bericht auch, dass die Behebung nur mit Asbestschutz erfolgen darf. Der Elektroinstallateur, den Sie beauftragen, weiss dann, worauf er sich einstellt.
Für mich gilt bei einem alten Haus dasselbe wie überall: Ich suche gefährliche Fehler für Mensch und Tier, nicht Rechnungspositionen. Ein Ersatz des Asbest-Tablos ist eine Empfehlung, keine Pflicht; ein intaktes Tablo ist für sich kein elektrischer Mangel. Was dahinter steckt, oft schon.
Welche weiteren Mängel sind in älteren Häusern typisch?
Häuser aus der Zeit vor etwa 1985 haben nicht nur ein Asbestthema. Bei Kontrollen finde ich immer wieder dieselben Punkte:
- Fehlender Fehlerstromschutz (FI). Der FI-Schalter schaltet ab, bevor ein Fehlerstrom für Menschen gefährlich wird. In alten Installationen fehlt er oft ganz oder ist nur in Bad und Küche vorhanden. Nachrüsten ist oft möglich; bei Schema-III-Installationen nur zusammen mit dem Umbau auf das heutige TN-System.
- Schema 3 / klassische Nullung. Schutzleiter und Neutralleiter sind bis zur Steckdose ein Draht. Bei einem Leiterbruch kann das Gehäuse eines Geräts unter Spannung stehen. Was das für die Kontrollperiode bedeutet, lesen Sie im Beitrag Wie oft muss eine Elektroinstallation kontrolliert werden?
- Alte Steckdosen, vertauschte Leiter. Ohne Schutzkontakt, ohne Kindersicherung, oder mit vertauschtem Neutral- und Aussenleiter, weil die alte Farbkennzeichnung (Gelb war früher der Neutralleiter) zur Verwechslung geführt hat.
- Oxidierte oder lose Klemmen, verfärbte Sicherungssockel. Ein Zeichen für schlechten Kontakt und Erwärmung; im Extremfall verschmoren Sockel und Kabeldurchführungen.
- Leitungen und Dosen in Holzwänden. Alte Aufputzdosen auf Holz, brüchige Kabelmäntel, unzureichender mechanischer Schutz.

Alte Schraubsicherungen
Häufiger Befund in unrenovierten Häusern; meist fehlt dort auch der FI.

Schema 3 auf Holz
Alte Aufputzinstallation: klassische Nullung, brüchige Mäntel, wenig Schutz.

Vertauschte Leiter
Alte Farbkennzeichnung, neue Verwechslung. Schnell behoben, aber bis dahin gefährlich.
Was sollte ich als Eigentümer eines alten Hauses jetzt tun?
Wenn Sie nicht wissen, wann die letzte Elektrokontrolle war, oder wenn Sie ein solches Haus gerade gekauft oder geerbt haben: Lassen Sie es kontrollieren, unabhängig davon, ob ein Brief des Netzbetreibers vorliegt. Die Kontrolle eines Einfamilienhauses kostet bei uns CHF 432.40 inkl. MwSt (CHF 400.– exkl.), Fixpreis inklusive Anfahrt, Bericht und Sicherheitsnachweis. Ein festgestellter Mangel kostet nichts extra. Sie erhalten eine verständliche Liste, was sicherheitsrelevant ist, und können mit einem Elektroinstallateur planen. Wie es nach dem Bericht weitergeht: Mängel gefunden: was passiert jetzt?. Zur Leistung: Sicherheitsnachweis und periodische Elektrokontrolle.
Häufige Fragen zu Asbest und Altbau-Installationen
Woran erkenne ich ein Asbest-Tablo?
Typisch sind graue, harte, oft leicht faserige Frontplatten aus Faserzement, auf denen Sicherungen und Schalter direkt montiert sind, in Häusern mit Baujahr vor 1990. Sicherheit gibt nur eine Materialprobe durch eine Fachstelle für Asbestdiagnostik. Im Zweifel behandeln Sie das Tablo, als wäre es asbesthaltig.
Ist ein Asbest-Tablo gefährlich, wenn ich es nicht anfasse?
Festgebundener Asbest in intakter Faserzementplatte setzt im Normalbetrieb keine Fasern frei. Gefährlich wird es, wenn die Platte bearbeitet wird (bohren, schleifen, sägen, brechen) oder wenn ein Schwenk-Tablo geöffnet wird und dahinter schwachgebundener Asbest liegt. Deshalb: nicht öffnen, nicht bearbeiten.
Was mache ich, wenn ich Asbest in meiner Verteilung vermute?
Nichts daran verändern, niemanden daran arbeiten lassen und eine Fachfirma für Asbestdiagnostik oder einen spezialisierten Elektroinstallateur beiziehen. Der Ersatz der Verteilung erfolgt durch Fachleute mit entsprechender Schutzausrüstung und Entsorgung.
Kann die Elektrokontrolle bei einem Asbest-Tablo trotzdem durchgeführt werden?
Ja. Das Kontrollorgan öffnet das Schwenktablo nicht und misst auf alternativen Wegen, ohne das Tablo zu bearbeiten. Es weist die Eigentümerschaft auf den Asbest hin und empfiehlt die Sanierung; eine Pflicht besteht nicht.
Welche Mängel sind in alten Häusern am häufigsten?
Fehlender Fehlerstromschutz (FI), Schema-3-Installationen mit klassischer Nullung, alte Steckdosen ohne Schutzkontakt, vertauschte Leiter wegen alter Farbkennzeichnung, oxidierte oder lose Klemmen, verfärbte Sicherungssockel und Leitungen in Holzwänden ohne ausreichenden Schutz.
Kurz zusammengefasst
- Schwenk-Tablos: festgebundener Asbest in der Frontplatte, schwachgebundener hinter der Holzverkleidung (der gefährlichere, weil unsichtbar). Feste Tablos: asbesthaltige Trägerplatte, keine Erweiterungen daran.
- Nicht öffnen, nicht bohren, nicht schleifen, nicht sägen. Ergänzungen in eine Unterverteilung daneben. Fachfirma für Diagnostik und Ersatz; Sanierung empfohlen, nicht vorgeschrieben.
- Die Elektrokontrolle ist trotzdem möglich: Dokumentation und Messung ohne Eingriff.
- Typische Altbau-Mängel daneben: kein FI, Schema 3, vertauschte Leiter, oxidierte Klemmen. Eine Kontrolle schafft Klarheit.
Über den Autor
Marco Weiss, Eidg. dipl. Elektroinstallations- und Sicherheitsexperte (HFPEL), Inhaber der Weiss weiss wie GmbH in Aarau. Unabhängiges Kontrollorgan mit ESTI-Kontrollbewilligung K-311114-3, nachprüfbar im öffentlichen ESTI-Verzeichnis.
Zuletzt fachlich geprüft: 16.08.2026